„Du schläfst in meiner Sauna!“

Ich habe schon auf Spiegel, Fleisch und Selbst-Einkleiden verzichtet. Doch auch für mich gibt es Dinge, auf die ich nie verzichten könnte. Zum Beispiel: Schlaf. Doch genau das fehlte mir Anfang dieser Woche – dank meines Airbnb-Gastgebers …

Sauna, airbn

Der Beweis: In dieser Holzbox sollte ich eine Woche lang schlafen (Foto: Alexandra Franz).

Lange war es etwas still auf 21-DW. Der Grund: Privat und beruflich ging es bei mir drunter und drüber, sodass mein Blog etwas zu kurz kam. Das soll sich aber nun im neuen Jahr ändern. Heute habe ich aber erst mal eine Geschichte für euch auf Lager, die so unglaublich ist, dass ich es selbst noch nicht fassen kann. Ich wohne seit letzter Woche in München, da ich hier als Volontärin in eine andere Burda-Redaktion hineinschnuppern darf. Wobei von wohnen bisher noch nicht so richtig die Rede sein konnte: Da ich letztes Jahr vor Weihnachten nicht wirklich viel Zeit hatte, habe ich mir einfach über airbnb ein Zimmer gebucht. Mein Gastgeber schrieb mir dann:

„Hallo Alexandra, danke für Deine nette Buchungsanfrage. Ein kleines Problem wegen Überbuchung gibt es allerdings noch: Ich hatte gestern über ein anderes Portal bereits eine Buchung bis zum 16.1. angenommen, das Zimmer ist also ab Freitag 17.1. erst wieder frei. Daher mein Vorschlag, vorausgesetzt, du bist so flexibel: Ich habe hier noch ein zweites, sehr kleines Zimmerchen für Gäste, (ca. 6qm bsteht nur aus Doppelbett, Stauraum für Gepäck, ein größeres Regal und ein Kühlschrank und Aufhängehaken für Kleider, Bad zur Mitben. aber mit eigenem Waschbecken, Dusche vorh, direkt neben dem Mini-Zimmer), das ich für solche Ausweich-Notfälle bereithalte. Das Zimmer ist winzig aber sehr gemütlich (alles in Holz) und kostet nur 20 pro Nacht. Ich würde Dir dann die Differenz in Höhe von (5 Nächte x 8 EUR=) 40 EUR in bar bei Anreise zurückerstatten. Wär das i.O. für Dich ?“

Aus Zeitmangel ließ ich mich auf den Deal ein und schrieb zurück:

„Lieber Martin*, das wäre okay für mich. Ich vertrau dir mal und hoffe, dass ich nicht in der Besenkammer schlafen muss ? ;-D Lg Alexandra“

Vor der Anreise habe ich Martin* dann angerufen und gefragt, ob es okay für ihn wäre, wenn ich erst gegen 23 Uhr anreise. Er war am Telefon total freundlich und meinte, das wäre kein Problem und er würde mich sogar von der S-Bahn-Station abholen. Das hat mich echt gefreut, denn die Wohnung lag in einem Vorort von München und dort fuhr um die Zeit kein Bus mehr. Vor Ort war auch alles ganz nett – bis er mir mein Quartier zeigte: Ich sollte tatsächlich in seiner Sauna schlafen!!! Ich dachte erst, er macht Witze, aber dann öffnete er wirklich die Saunatür und darin war ein Brett eingezogen mit einer dünnen Matratze. Sein Kommentar: „Is total gemütlich, ich nenne es meine kleine Kuschelbox!“ Ahja! Okay. Es war mittlerweile gegen 23.30 Uhr, ich hatte das Wochenende durchgearbeitet und mein Hirn war kurz vor tot. Also hatte ich keine Chance: Ich musste in seiner „Kuschelbox“ schlafen. Leider war das echt unmöglich: Bei der kleinsten Bewegung knarrte das Holz und ich war wieder wach. Am nächsten Morgen tat mir alles weh – erst mal der Rücken von meinem tollen „Bett“ und dann der Kopf, weil die vom Gastgeber eigenhändig montierte Lüftung doch nicht gaaanz funktionierte. Aber es nützte nichts: Ich kroch aus meiner Hundehütte und ging arbeiten. Im Laufe des Tages begriff ich, wie sehr dieser **** mich ver***** hat! Ich meine, spinnt der? Ich zitiere noch mal: „Alles in Holz“ Wieso hat er mir nicht geschrieben, dass ich in seiner Sauna übernachte?!

Meine Heldin: Ninas Tante

Dabei wollte ich nur eins: Schlaf! Am Abend hätte ich ihn dann auf das kleine Problem, das wir jetzt hatten – nämlich, dass eine Sauna verflucht noch mal kein Zimmer ist !!! – sehr gerne persönlich angesprochen. Doch Daniel Düsentrieb war wieder nicht da. In meiner Verzweiflung rief ich die Tante meiner Kollegin Nina an, bei der ich ab Anfang Februar unterkommen wollte. Sie stutzte etwas und fragte dann: „Die Unterkunft, in der Sie jetzt sind, ist wohl nicht so gut?“ Da brachen bei mir alle Dämme – völlig übermüdet und fertig fing ich an zu heulen und erzählte der netten Tante, dass ich in einer Sauna schlafe. Sie war entsetzt: „Das darf doch nicht wahr sein!!! Okay, ich hole sie gleich morgen früh da raus!“ Ich – unter Tränen: „Okaaayyy, dankeee!“ Am nächsten Morgen wollte ich noch mal versuchen, mit Martin zu reden, aber er war wieder nicht zu sehen und ging nicht an sein Handy. Also bin ich mit Sack und Pack abgehauen, Ninas Tante hat mich abgeholt und wir sind zu ihr in die Wohnung gefahren. Sie ist eher selten da und ich darf jetzt in ihrer superduper Altbauwohnung in Schwabing ihr Gast sein – so nett!!! Als Martin sah, dass meine Sachen weg sind, rief er dann plötzlich an. Ninas Tante saß neben mir im Auto, manövrierte uns gerade durch den Münchner Stadtverkehr – und hätte ihn trotzdem am liebsten höchstpersönlich durchs Telefon gezogen. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich nicht in seiner Sauna schlafen möchte. Er meinte, da hätte sich noch keiner beschwert, ich sei die erste und was ich bitte von 6 qm erwartet hätte? Ich: „Keine Sauna!!!“ Am Nachmittag rief er dann wieder an und bot mir plötzlich das Zimmer an, was ich ursprünglich gebucht hatte. Ich war ratlos: Zurück zu dem Verrückten? Ich sagte ihm, dass ich erst mal ne Nacht drüber schlafen würde.

„I sleep in a ‚hot box ??!!*#‘ „

Das Problem: Das Zimmer bei ihm hatte ich bereits bezahlt – 560 Euro hatte mich der Spaß (inklusive airbnb-Gebühr) gekostet. Geld zurück? Daran dachte Martin natürlich nicht im Leben. Ich wandte mich jetzt an airbnb, was aber auch erst mal schwierig war. Es kam immer wieder die Ansage, dass aufgrund der Stürme in den USA gerade niemand zu erreichen ist. Aber irgendwann kam erst Basti, der mir mit der Sache geholfen hat, und am Abend dann auch ich durch. Da vom deutschen Kundendienst niemand zu sprechen war, musste in der Dame in San Francisco erklären, dass ich in einer Sauna schlafe – echt schwierig, denn mein Englisch hat mittlerweile Grundschulniveau und sie verstand mich erst nicht. Doch dann schaffte sie es, das Ticket für meine Buchung und die Beschwerde zu öffnen. Ich hatte mittlerweile auch Bilder geschickt, die sie nun sehen konnte. Ihr Kommentar: „What? He wanted you to sleep in his sauna????!!!“ Ich: „YES!! That’s what I wanted to say!” Sie hat mir dann versprochen, dass wir das volle Geld inklusive der Airbnb-Gebühren zurückbekommen. Ich traue mich jetzt noch gar nicht, mich zu freuen und bin skeptisch – wer weiß, was Martin noch für Ideen auf Lager hat. Aber im Moment sieht es so aus, dass die Story sogar ein Happy End hat. Nicht zuletzt dank Ninas Tante!

Was meint ihr? Hättet ihr in der Sauna schlafen können? Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit Airbnb gemacht? Und wie seid ihr so drauf, wenn man euch um den Schlaf bringt?

*Name geändert

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Ein Gedanke zu „„Du schläfst in meiner Sauna!“

  1. Stefan sagt:

    Also der erste Teil der Sauna-Übernachtung war sehr lustig zu lesen, natürlich nicht für deinen Schlaf 😉
    Ich bin nicht soooo wählerisch was meinen Schlafplatz betrifft, habe schon auf einer Parkbank mit Rettungsring als Kissen geschlafen, aber natürlich freiwillig und für lau.
    20€ für ein „Bett“ in der Sauna ist nicht nur völlig übertrieben, sondern müsste eigentlich schon in den Bereich der arglistigen Täuschung fallen – naja, dein Geld hast du ja hoffentlich schon zurück.
    LG

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