Tag 17: Leben ohne Spiegel – beim Friseur

Es gibt Momente im Leben, in denen man eigentlich NIEMALS ohne Spiegel auskommt. Zum Beispiel: beim Friseur. Naja, ich war trotzdem dort.

Friseur und ich: Das ist ein schwieriges Thema. Ich habe schon viele negative Erfahrungen gemacht, weil manche mit meinen Lockenhaaren einfach nicht klar kommen. Obwohl ich seit über einem Jahr in Offenburg wohne, traue ich mich deshalb einfach nicht, dort zum Friseur zu gehen. Lieber lasse ich mir, immer wenn ich meine Eltern besuche, in dem Salon die Haare schneiden, in dem ich schon öfter war. Meine Friseurin: Kerstin. Ihr Salon heißt „Carpe Diem“ und ist in Falken (ein kleiner Ort, grob in der Nähe von Eisenach). Sie bekommt das hin, was andere nie schaffen: Meine Locken zu bändigen. Außerdem schneidet sie wirklich genial und hat ein sehr gutes Auge dafür, wem was steht.

Deshalb: ein Anruf, Termin gemacht. Und gesagt: „Ähh, es gibt da noch ein Problem. Ich darf mich nicht sehen…“ Kerstin: „Das bekommen wir schon hin.“ Cool. Ich war echt froh, dass sie den Spaß mitmacht. Schließlich bin ich mir bei meinen Experimenten nie so sicher, wie die Leute reagieren – von „echt cool“ bis „so ein Blödsinn“ war schon alles dabei.

Pixie, Bob oder Undercut?

Vor dem Termin am Freitag war ich dann aber doch verdammt nervös. Lieber doch nur „Spitzen schneiden“? Wäre ja besser – angesichts des aktuellen Experiments. Aber andereseits: Ich hatte ein halbes Jahr darauf gewartet, endlich nach Falken zum Frisör fahren zu können. Ich wollte mal wieder ein bisschen mehr abschneiden lassen, denn in letzter Zeit hatte ich meine langen Haare ziemlich satt. Klar, viele träumen von Locken und dicken Haaren. Is ja auch mal nicht schlecht. Aber auf Dauer eben doch einfach nervig: Waschen und föhnen dauert ewig – meine Haare sind so dick, dass es gefühlt schon eine halbe Stunde braucht, bis sie überhaupt nass sind. Außerdem habe ich sie eher selten offen getragen, weil ich fand, dass mit Brille und mega Lockenpracht einfach zu viel los ist auf meinem Kopf. Und lange Haare, die man nie offen trägt – das macht überhaupt keinen Sinn.

Ich hatte über ein halbes Jahr lang Bilder von Frisuren gesammelt, die mir gefielen. Von kurz bis lang war alles dabei. Kerstin überzeugte mich, dass ein Bob nicht die beste Lösung ist, weil ich die Haare bei der Länge sowieso nicht glätten würde (dauert einfach zu lang jeden Morgen…). Sie hätte mir am liebsten sogar einen Pixie a la Charlize Theron geschnitten. Aber das war mir dann doch zu heftig. (Vielleicht beim nächsten Mal, wenn ich mich wieder sehe …) Ich habe trotzdem ziemlich Haare gelassen, denn wir haben uns für einen Undercut entschieden. Und weil ich einmal in Änderungslaune war, kamen dann auch noch pinke Strähnen dazu. 😀

„Sie will sich nicht sehen“

Achso, wie das mit den Spiegeln funktioniert hat? Ganz einfach, Kerstin hat alle Spiegel in meinem Umfeld mit großen Stoffbahnen bedeckt. Coole Idee! Die anderen Kunden im Laden haben sich ziemlich gewundert. Die Erklärung „Sie will sich nicht sehen, sie lebt ohne Spiegel“ machte die Sache auch nicht logischer. Die meisten haben wahrscheinlich wirklich gedacht, dass ich nen Klaps habe. 😀 Und ganz ehrlich: Ich habe es auch gedacht! Ich und meine Ideen …

Die lustigste Szene war, als meine Schwester Katrin in den Laden kam zum Pony nachschneiden. Da hatte ich am Hinterkopf schon ziemlich Haare gelassen. Sie hat mich erst mal nicht erkannt. 🙂
Zum Schluss war ich zwar schon neugierig, wie ich jetzt so mit abrasierten Haaren aussehe. Aber andererseits war es irgendwie auch eine Erleichterung, mich nicht zu sehen. Denn mit Spiegel habe ich nach einem Frisörbesuch oft gedacht: Ob das jetzt wirklich eine gute Idee war? Steht mir das wirklich? All diese negativen Gedanken fielen ohne Spiegel komplett weg. Ich konnte es halt einfach nicht sehen, habe mich damit abgefunden – und mir deshalb auch keine Gedanken mehr über mein Aussehen gemacht.

Fazit: Wahnsinn, wer hätte das gedacht? Insgesamt bin ich in dieser Woche viel zufriedener mit mir, obwohl – oder gerade weil – ich mich nicht mehr sehe!

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2 Gedanken zu „Tag 17: Leben ohne Spiegel – beim Friseur

  1. Liss'chen sagt:

    Ich bewundere dich für deinen Mut. Und du musst dir wirklich keine Gedanken machen … das sieht mega cool aus =)

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