Tag 1: Leben ohne Spiegel – Blindes Vertrauen

Leben ohne Spiegel – das hieß gestern: Ein Dirndl kaufen, ohne mich je darin gesehen zu haben. Wie das gehen soll, lest ihr hier …

Leben ohne Spiegel - Tag 1

Die neuesten Angebote habe ich jetzt immer im Blick – mich selbst aber leider nicht (Foto: Alexandra Franz).

Frauen betrachten sich 43- bis 71-mal am Tag im Spiegel – das belegen Studien. Ich habe allein gestern Morgen fünfmal versucht, mich im Spiegel zu sehen – unbewusst. Dabei wurde mir schlagartig klar, wie oft wir uns vor den Spiegel stellen, um unser Gegenüber zu betrachten, ohne bewusst darüber nachzudenken. Für uns Frauen gehört wahrscheinlich besonders morgens ganz einfach zur Routine, sein Aussehen mehrmals zu checken, bevor wir aus dem Haus gehen.

 Die Lösung: Zeitungspapier!

Aber das fällt ja dank der grandiosen Abstimmung für „Leben ohne Spiegel“ nun aus. In der Nacht vor dem neuen Experiment habe ich deshalb ziemlich unruhig geschlafen. Im Traum dachte ich darüber nach, wie ich die Spiegel morgens noch schnell vor der Arbeit abmontieren oder zudecken könnte. Als ich nach dem Aufstehen sah, dass Basti das für mich übernommen hat, war ich dann fast erleichtert. Er hat unsere Spiegel einfach mit Zeitungspapier zugeklebt. Wenn er sich rasieren will, kann er dann das Zeitungspapier einfach zur Seite klappen. Schlau!

Nun kam die entscheidende Frage: Schminken oder lieber sein lassen? Ich entschied mich für Schminken. Ich habe es sogar hin bekommen, mir ohne Spiegel die Wimpern zu tuschen – in der Redaktion haben mir jedenfalls alle versichert, dass ich nicht aussehe wie ein Waschbär. Das ist schon mal die nächste Erkenntnis von Tag 1: Ich muss anderen viel mehr vertrauen. Das fällt mir in puncto Aussehen schon schwer.

Dienstag war Entscheidungstag

Deshalb war die Aktion, die ich nach der Arbeit geplant hatte, eine echte Zerreißprobe für mich. Denn: Ich wollte unbedingt ein Dirndl kaufen. Die weiblichen Reaktionen auf diesen Satz spalten sich ja in: „Oh, wie schön, wie soll es aussehen?“ Und: „So ein Quatsch, wozu braucht man das, wenn man nicht aus München kommt?“ Ich überlege seit Jahren und hatte diese Woche einen meiner „Ich-mach-das-jetzt-einfach-mal-Momente.“ Kennt ihr die? Wenn man wochen- oder jahrelang überlegt, was nun die richtige Entscheidung ist und dann beschließt, dass man es jetzt einfach tut. Weil man sich sonst niemals entscheiden wird und kann. So ein Tag war Dienstag. Zu blöd, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass „Leben ohne Spiegel“ in den letzten Stunden so aufholt. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr: Wenn ich mich einmal entschieden habe, bleibe ich auch dabei.

„Darf ich bitte eine rauchen?“

Also habe ich gestern Abend gleich nach der Arbeit Basti und meine Freundin Tamara ins Auto gepackt und wir sind nach Zell am Harmersbach zum Dirndlladen gefahren. Der Spiegel in der Umkleide war leicht zu umgehen: Direkt daneben war der Kleiderhaken und ich habe so viele Dirndl probiert, dass der Spiegel sofort bedeckt war. Schwieriger war es dann schon, der Verkäuferin zu erklären, dass ich gerade auf Spiegel verzichte und mich deshalb nicht sehen will.

Wir haben insgesamt eineinhalb Stunden gebraucht, um ein Dirndl für mich auszusuchen. Lustig: Natürlich fiel die Wahl auf das Dirndl, das ich als allererstes anprobiert habe. Bastis Reaktion: „Ich muss jetzt wirklich eine rauchen! Warum muss man noch 20 andere anprobieren, wenn man dann das erste kauft?!“ Na, vielleicht weil es noch ein besseres geben könnte! Aber Männern kann man das immer schwer vermitteln. 😀

Um auch gleich die Frage der „Oh, wie schön“ – Fraktion zu beantworten: Es ist grün und hat eine Midi-Länge. Zumindest von meiner Perspektive aus gesehen. Ich war immer der festen Überzeugung, dass mir das nicht steht, weil diese Länge nur was für große Frauen ist. Aber die anderen haben gesagt, dass es sehr gut aussieht. Mal sehen, wie der Rest der Welt am Samstag auf dem Oktoberfest so reagiert … (Im Zweifel greift wieder die Ausrede „Ich habe einen Blog“).

Zähne putzen – und Zeitung lesen!

Auf der Rückfahrt wurde mir aber dann doch kurz schlecht: Hatte ich gerade wirklich 170 Euro für ein Kleid ausgegeben, dass ich nicht mal gesehen habe? Ja, habe ich! Überhaupt zweifelte ich dann an der ganzen Challenge: Was soll es bringen, nicht in den Spiegel zu schauen? Werde ich dadurch wirklich gelassener mit meinem Äußeren umgehen?? Wir werden sehen …

Kurz vor dem Schlafen habe ich dann aber doch einen entscheidenden Vorteil entdeckt: Ich kann jetzt Zeitung lesen, während ich mir die Zähne putze! Klasse Erfindung, solltet ihr auch mal ausprobieren. Ich muss nur Basti bitten, die Zeitungen immer mal zu wechseln.

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3 Gedanken zu „Tag 1: Leben ohne Spiegel – Blindes Vertrauen

  1. Tina sagt:

    Ich finde das eine tolle Aktion & halte Dich echt für mutig! Ich bin schon sehr gespannt wie das weiter geht! Übrigens: ganz toller Blog!

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