Tag 8: Von punktierten Kälberherzen …

Diesen Tag habe ich lange mit Spannung erwartet. Denn: Ich hatte ein blind veggie date.

Veggie-Buddy, Haus am See, vegan

Tamara, ich und Laura (v.l.n.r.) probierten im „Haus am See“ in Schutterwald das vegane Cordon Bleu. Leider war der Tofu an diesem Tag alle – dabei hatte Tamara gerade beschlossen, Tofu mal zu probieren.

In meiner Panik hatte ich vor Beginn meines Experiments den Vegetarierbund angeschrieben, denn der bietet einen so genannten „Veggie-Buddy-Service“. Dabei bekommt man jemanden zur Seite gestellt, der hilft, ins vegane oder vegetarische Leben einzusteigen. Gemeinsam mit dem Veggie-Buddy kann man kochen, einkaufen oder mal vegan essen gehen.

Nach meiner Mail bekam ich eine Antwort von Laura. Sie ist seitdem mein Veggie-Buddy. Unser erstes Treffen sollte an diesem Freitag stattfinden. Wir waren zum Essen im „Haus am See“ in Schutterwald verabredet. Denn: Dort stehen mehrere vegane Gerichte auf der Speisekarte. Ohne Laura hätte ich das wohl nach ein paar Monaten rausgefunden. Schon ihr erster Tipp war also super!

Mein Veggie-Buddy – eine militante Veganerin?

Kurz vor dem Treffen war ich echt nervös. Wie würde mein Veggie-Buddy wohl so ticken? Und wie würde sie aussehen? Meine Freundinnen Tamara und Svenja kamen auch mit, weil sie noch nie im „Haus am See“ waren und das Restaurant gerne mittesten wollten. Tamara holte mich ab. Mit ihren roten Lackleder-Pumps stöckelte sie neben mir gen Karstadt, wo ich mich mit Laura treffen wollte. Ob Laura Tamaras Schuhe so cool finden würde? Naja, egal, damit muss sie ja rechnen. Ich hatte sie vorgewarnt, dass ich zwei Fleischesser mitbringen würde. Andererseits: Wer beim Vebu ist, gehört vielleicht schon zu den militanten Veganern, die sich nackt auf einen großen Teller in die Fußgängerzone legen, um zu demonstrieren? Während ich mich das frage, checke ich nervös, ob ich wirklich von der Sohle bis zum Scheitel komplett vegan bin. Passt!

„Meine Familie fand das erst mal gar nicht so lustig“

Laura hat schon auf uns gewartet. Auf den ersten Blick sieht sie genau so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe: veggie-grünes T-Shirt, Jutebeutel, keine Schminke. Aber schon nach ein paar Worten weiß ich, dass es eine gute Idee war, mich mit ihr zu treffen. Sie ist überhaupt nicht verbissen, sondern sehr nett und ich kann mich super mit ihr austauschen. Auf dem Weg nach Schutterwald diskutieren wir über Honig, vegane Zahnbürsten, Tierversuche und natürlich, warum sie Veganerin geworden ist. Es stellt sich heraus: Laura ist wie wir alle auch vor etwa einem Jahr nach Offenburg gezogen für ihren Job. Sie hat in Würzburg eine Ausbildung zur Biologielaborantin gemacht. Irgendwann war es ihr zuwider, Frösche, Kälber und andere Tiere aufzuschneiden, um zum Beispiel deren Herzen zu punktieren. Sie weiß also genau, von was sie spricht und hat nicht nur irgendwann mal ein Video bei Youtube gesehen (was ja prinzipiell auch nichts Schlechtes ist). In ihrer Ausbildung waren Tierversuche an der Tagesordnung. Deshalb begann sie vor drei Jahren, kein Fleisch mehr zu essen. „Meine Familie fand das erst mal gar nicht so lustig,“ erzählt sie. Klar, sie kommt aus Franken. Dort wird mit Vorliebe Schäuferla, ein Stück Fleisch aus der Schweineschulter, gegessen. Vor einem Jahr bekam sie dann einen Job in Offenburg beim BAV Institut für Hygiene und Qualitätssicherung. „Ich bin nach Offenburg gezogen, weil das BAV Institut ohne Tierversuche arbeitet. Denn das wollte ich nicht mehr machen“, sagt sie.

Nachdem Laura uns genau erklärt hat, wie und warum man das Herz eines ungeborenen Kalbs für Tests punktiert, entscheidet sich Tamara spontan für das vegane Cordon Bleu – wie auch Laura und ich. Wie ersetzt man wohl ein mit Käse gefülltes Stück Fleisch? Das hat mich wirklich interessiert. Leider war der Tofu an diesem Tag alle. Also bekamen wir Spargel ummantelt von etwas, das ich nicht genauer identifizieren konnte. War aber echt lecker. Nur Tamara war enttäuscht: Sie hatte noch nie Tofu gegessen und wollte das jetzt echt mal probieren. Aber das lässt sich ja noch nachholen.

Vom veganen Blind Date zum veganen Running Dinner

Sojamilch schmeckt immer sehr unterschiedliche – manche sind top, manche echt ein Flop. Deshalb hat mir Laura ihren Favoriten aus dem Lidl mitgebracht. Und dazu noch Kokosmilch, Schoki, Gummibärchen zum Probieren (Foto: Alexandra Franz).

Sojamilch schmeckt immer sehr unterschiedlich – manche sind top, manche echt ein Flop. Deshalb hat mir Laura ihren Favoriten von biotrend aus dem Lidl mitgebracht. Und dazu noch Kokosmilch, Schoki, Gummibärchen zum Probieren – klasse! (Foto: Alexandra Franz).

Nach dem Essen packt Laura plötzlich ihren Jute-Beutel aus. Wahnsinn! Sie schenkt mir vegane Schokolade, Milch und Gummibärchen. Wow! Das Blind veggie date hat sich also echt gelohnt.

Nach ein paar Bier (Laura sagt, nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier ist vegan) und gefühlte 100 Mückenstichen später (Laura wurde überhaupt nicht gestochen – als wenn die Insekten wüssten, dass sie keine Tiere isst und sie deshalb verschonen) kam Svenja dann auf eine grandiose Idee: ein veganes Running Dinner. Kennt ihr das? Bei einem Running Dinner kocht jeweils eine Person entweder die Vorspeise, den Hauptgang oder die Nachspeise. Ich bin ein großer Fan davon, da ich das während meiner Studentenzeit in Bamberg oft gemacht habe und immer viel Spaß hatte (@ Sarah Elßer: Ich sag nur „War der Raum echt rosa?“). Da sich kein anderer Termin finden ließ, werden wir uns schon in zwei Tagen wieder sehen. Laura und ich werden den Hauptgang zubereiten. Ich bin mal gespannt, ob ich das hinbekomme …

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