Tag 1: „Das schmeckt wie ein Stück Pappe!“

„Fleisch ist mein Gemüse!“ – so lautet das Motto meines Freundes. Ob ich ihn trotzdem von der Veggie-Bolognese überzeugen konnte? Mein erster Tag als Veganerin …

Vegane Bolognese, Attila Hildmann

Vegane Spaghetti Bolognese: Geschmacklich sicher ein Highlight – vorausgesetzt, Alex stand nicht in der Küche (Foto: Alexandra Franz).

Der Morgen von Tag 1 begann für mich mit einem Glas Saft – mehr vegane Lebensmittel gaben unsere Vorräte nicht her. Am Mittwoch hatte es nicht mehr geschafft, noch einkaufen zu gehen.

Erst dachte ich: Kein Problem, ich werde schon mal ohne Frühstück auskommen. Aber spätestens als mich die Schwester bei meinem neuen Hausarzt fragte, ob mir beim Blut abnehmen schlecht wird, fiel mir wieder ein: Oh, blöde Idee! Denn mir wird schlecht. Immer. Erst recht, wenn ich nix gegessen habe. So packte sie mich auf eine Liege, damit ich gar nicht erst umfallen kann.

Warum die ganze Aktion? Ich wollte mich vor dem Experiment noch mal durchchecken lassen. Fehlen mir durch eine vegane Ernährung vielleicht schon nach drei Wochen wichtige Vitamine? Oder bin ich danach sogar noch fitter? Außerdem empfiehlt auch Attila Hildmann, sich vor Start noch mal beim Doc blicken zu lassen.

Überglücklich, dass ich in Offenburg endlich einen Hausarzt gefunden habe, bei dem ich auch noch kurzfristig einen Termin bekam, bin ich also zu Dr. Kohlhaas gestiefelt. Sein Befund: Ich bin so fit, dass ich die Untersuchung der Blutwerte selbst bezahlen muss. Damit hatte ich schon gerechnet. Die Ergebnisse bekomme ich nächste Woche. Außerdem hat er mir noch ein paar Tipps gegeben und mich zusätzlich motiviert – denn er sagte, dass die meisten Leute viel zu viel Fleisch essen als aus medizinischer Sicht gesund ist. Andererseits hat er mir auch empfohlen, das tierische Eiweiß nicht einfach wegzulassen, sondern zum Beispiel durch Hülsenfrüchte zu ersetzen. Wird gemacht.

Hirse, Amaranth und Quinoa …

Um besser ausgerüstet zu sein, bin ich also nach der Arbeit gleich mal mit Basti in den Biomarkt gefahren. Ich zwinge ihn zwar nicht, sich mit mir komplett vegan zu ernähren, aber zweimal kochen – einmal mit Fleisch, einmal vegan – wäre auch doof. Doch Basti steht der veganen Küche noch, na ja, sagen wir mal etwas skeptisch gegenüber. Kein Wunder: Er ernährt sich hauptsächlich von Fleisch und Wurst. Als Beilage kann schon mal ein Weißmehlbrötchen dazwischen kommen. Seine Lieblingswurst ist die Käsewurst von Wiesbauer mit dem kleinen dicken bayerischen Jungen vorne drauf. Noch Fragen? Ach ja, Gemüse und Obst meidet er natürlich als könnte es giftig sein. Er mag keine Tomaten, keine Ananas, kein Auberginen … So war unser erster gemeinsamer Besuch im Biomarkt ein weiteres Highlight des Tages.

Ich hatte die Rezepte von Attila Hildman genau angeschaut und aufgeschrieben, was wir hierfür brauchten: Quinoa, Amaranth (gepoppt und ungepoppt), weißes Mandelmuss, Hirse …

vegan, Einkauf

Mein erster veganer Einkauf im Bioladen: Für diese paar Zutaten habe ich 36 Euro gezahlt. Nicht ganz billig, aber ich glaube, wenn ich die Sachen einmal da habe, reicht es für die nächsten drei Wochen.

Alles nicht ganz billig. Aber das war mir die Sache ja wert. Nur der Acai-Saft musste vorläufig dort bleiben, weil die Flasche etwa 20 Euro kosten sollte. Das beste war Bastis Kommentar, als die Verkäuferin uns den Saft zeigt: „Gibt es da nur einen Baum von auf der Welt oder was?“

Der Biomarkt hat ihn dann so geschafft, dass er bei Kaufland am liebsten erst mal am Bratwurststand Halt machen wollte. Ich: „Oh, nö.“ Er: „Wieso? Kostet doch nur einen Euro?!“ Die Diskussion, woher wohl das Fleisch für die Ein-Euro-Bratwürste kommt, schenkte ich mir, denn langsam hatte ich echt Hunger. Das einzige, was ich bisher gegessen hatte, war der Kantinen-Tofu vom Mittag, der mir wie ein Stein im Magen lag. Zum Glück entschied er sich dann doch gegen die Ein-Euro-Bratwurst. Also bei Kaufland noch „schnell“ den Rest einkaufen. Dachte ich. Doch nix da: Schnell einkaufen geht nicht, wenn man beginnt, sich vegan zu ernähren – bei jedem Produkt musste ich erst mal die Zutatenliste lesen. Als ich dann am riesigen Schokoregal verzweifelt sämtliche Inhaltsstoffe checkte, bekam Basti die Krise. Weil ich ihm sein Bratwürstchen ausgeredet hatte, litt er nun auch Hunger. Doch ich wollte unbedingt eine Schokolade, weil ich genau wusste, was mich erwarten würde: Wir wollten nach dem Kochen einen gemütlichen Couch-Abend machen und Basti würde wieder seine Milka-10-Kilo-Tafel auspacken. Und ich würde sabbernd daneben sitzen. Also MUSSTE ein Ersatz für mich her. Doch es war nichts zu machen: Ich fand keine Schoki, in der zweifelsfrei „kein Tier“ enthalten war. Am Anfang unserer Einkaufstour hatte ich noch mit meinem Smartphone alle zweifelhaften Zutaten gegoogelt. Doch ausgerechnet am Schoki-Regal hatte ich keinen Empfang mehr. Ende Gelände. Ich gab entnervt auf. Hunger, Frustration und Bastis Gemecker drängten mich zur Kasse.

Vorsicht beim Rotwein!

Umso mehr habe ich mich gefreut, als wir dann zuhause waren. Endlich was essen. Eigentlich kocht bei uns immer Basti. Doch da die vegane Küche jetzt nicht so sein Revier ist, half ich ihm. Und es kam, wie es kommen musste: Als wir noch über die Verarbeitung des Tofu diskutierten, verkochten die Nudeln. Sofort fiel mir wieder ein, warum ich nicht gerne in der Küche stehe. Verdammt! Geschmacklich waren die Nudeln dann aber trotzdem das Highlight des Gerichtes. Denn ich hatte zu viel Rotwein in die Bolognese gekippt (der musste weg) und das Ganze dann nicht lang genug verkochen lassen. Außerdem mussten wir viel mehr Gewürze an die Bolognese geben als gewohnt, damit der Tofu auch nach etwas schmeckt. Ich war mit der Sache am Ende trotzdem ganz zufrieden – kein Wunder, ich hatte einen Bärenhunger. Ich saß einfach so viel, dass ich direkt danach auf der Couch ins Esskoma gefallen bin. So habe ich auch nicht mitbekommen, wie Basti seine Schokolade aus dem Schrank geholt hat. Denn er hatte noch Hunger – schon bei unserem ersten veganen Gericht vermisste er die Fleischgrundlage. Sein Kommentar dazu: „Der Tofu schmeckt wie ein Stück Pappe!“ Klasse. Das kann ja heiter werden.

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10 Gedanken zu „Tag 1: „Das schmeckt wie ein Stück Pappe!“

  1. Kathi sagt:

    Seeeeeeeeeeehr unterhaltsam!!! 🙂 Bitte mehr davon!!!

  2. Sarah sagt:

    Also rein optisch ist das doch schon mal ein guter Start. Ich bin gespannt auf weitere Rezepte – vor allem auf das „GEPOPPTE Amaranth“, Da sag nochmal einer die Veganer haben keinen Spaß im Leben… 😉

    • berta0404 sagt:

      Das gepoppte Amaranth habe ich auch schon probiert, aber nicht fotografiert, weil nach dem „Erfolg“ mit der Bolo dachte, das kann nicht schmecken. Ein Fehler: Es war saulecker! Und viel zu schnell aufgegessen. Der Bericht folgt in Kürze. 😀

  3. Hanne sagt:

    Du hast aber auch echt erschwerte Bedingungen – in Berlin würdest Du mittags einfach einen veganen Burger aus der veganen Burgerbude holen und Dir abends auf der Couch Leckereien aus der veganen Bäckerei gönnen… offensichtlich wachsen in Großstädten mehr Acaibäume…

  4. Carmen Kramer sagt:

    Also an dem Pappe-Geschmack muß doch was dran sein, das behauptet mein fleischliebender Freund auch immer, ich konnte das allerdings nie nachvollziehen 🙂

  5. berta0404 sagt:

    @ Carmen: Ich weiß auch nicht, das muss so ein Männer-Ding sein 😀 Ernährst du dich auch vegan?

  6. Julie sagt:

    Ich sehe euch vor meinem inneren Auge gerade im Supermarkt stehen ;D von außen betrachtet bestimmt eine sehr amüsante Szene!

  7. Caro sagt:

    lol, so ging es mir auch – und geht es noch. Nach 4 Wochen kennt man aber Gott sei dank schon einige Produkte, die man „einfach so“ kaufen kann. Mein erster Gang war damals auch zur Schokolade, vor der ich verzweifelt stand und dann beschloss, großzügig über eventuelle Spuren von Milch und Ei hinweg zu sehen. Die sind einfach überall drin. Dann „darf“ man nämlich auch die Marzipan-Schoki von Ritter Sport, diverse Zartbitter-Schokoladen (wenn man die denn mag) und die klassische Block-Schokolade. Die mag ich im Moment auch am liebsten.

  8. berta0404 sagt:

    Mein Veggie-Buddy Laura hat mir ja zum Glück Schokolade aus dem Bioladen geschenkt 😀 Aber mein Schoko-Hunger ist auch massiv zurück gegangen, seitdem ich mich vegan ernähre – obwohl ich früher echt ein Schokoholic war. Ich staune über mich selbst. 😀 War das bei dir auch so??

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