Tag 3: Make-up-Verzicht – mein Avatar bröckelt

Die eine Sache ist es, ungeschminkt aus dem Haus zu gehen. Die andere, ein Bild vom mir ohne Make-up ins Netz zu stellen …

Make-up Diät Verzicht

Gequältes Lächeln: Niemand lässt gerne Fotos von sich machen, es sei denn man bewirbt sich bei Germany´s next Topmodel. Aber ohne ein bisschen Make-up im Gesicht tut es echt weh (Foto: Jennifer Seelig).

Ob Partypics, Urlaubsbilder oder Fotos vom Chillen mit Freunden – die meisten Leute pflegen bei Facebook ihr Image sorgfältiger als jeder Spießbürger seinen Kleingarten. Viele achtet ziemlich genau darauf, was ins Profil darf, was geteilt wird – und was nicht. Wie möchte ich von anderen gesehen werden? Als knallharte, schwarz gekleidete headbanging queen? Als Weltenbummler, der natürlich jedes Jahr durch New York, Tel Aviv und Thailand couchsurft? Als alpiner Naturbursche im Klettergurt direkt vor dem Abhang? Oder Partymaus, die alle guten Bars und Diskos der Stadt in ihrer „Gefällt-mir-Liste“ hat? Wir stellen nur Bilder ins Netz, die unsere Schokoladenseite zeigen. Die dem Rest der Welt verklickern, wer wir sind. Oder eben, wer wir gerne wären. Ganz ehrlich: Ich mache das auch so. Mein bevorzugter Avatar ist natürlich der von einer verdammt gut aussehenden, selbstverständlich perfekt geschminkten, in­ves­ti­ga­tiv arbeitenden Journalistin. Jung und erfolgreich. Dass ich morgens schon über meine eigenen Füße stolperte, bevor ich überhaupt das Haus verlasse, dass ich es regelmäßig schaffe, nicht nur mein Fahrrad anzuketten, sondern mich selbst gleich mit – all das bleibt meist, ääh, eher unerwähnt.

No-Make-up-Monday

Wahrscheinlich ist es mir deshalb so schwer gefallen, ein Bild von mir ohne Schminke ins Netz zu stellen: Weil alle immer so verdammt gut aussehen auf den Bildern, die sie bei Facebook hochladen.

Das hat auch ernste Folgen: Die amerikanische Renfrew Center Foundation kämpft eigentlich gegen Magersucht bei jungen Mädchen. Kürzlich hat sie dabei einen No-Make-up-Monday ins Leben gerufen. Sie animiert Frauen dazu, sich immer montags nicht zu schminken und Bilder ihres Gesichts per Twitter, Facebook und Co. zu posten. Damit junge Mädchen ein realistischeres Frauenbild gezeigt bekommen.

„So sah Oma ohne Make-up aus.“

Dazu habe ich jetzt auch beigetragen. Toll, wenn ich mit meinem SEHR realistischen Foto noch etwas Positives bewirke. Jetzt gibt es ja ohnehin kein zurück mehr. Was einmal im Netz ist, bleibt im Netz.

Vielleicht gibt es in Zukunft keine Fotoalben mehr. Meine Enkel googlen irgendwann meinen Namen, um festzustellen, dass Oma nicht immer so gut aussah. „Oma, ich dachte du warst nie beim Beauty Doc!“ Verdammt! Andererseits: Eigentlich auch cool. So weiß ich später mal, wie ich wirklich aussah. So ganz ohne Schminke im Gesicht.

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