Tag 13: Nutella-Verzicht – Oh Mieze, wo bist du?

Letzte Woche ist es passiert: Das letzte Glas von Muttis selbst gemachter Erdbeer-Marmelade ist alle geworden. Was daran so besonders ist? Mieze Schindler!

Mieze Schindler, Erdbeere, alte Sorten

Keine Frucht wie jede andere: Mieze Schindler ist die Praline unter den Erdbeeren (Foto: flickr-Kai Schreiber).

„Handgerührt!“, sagt mein Dad stets, wenn er das nächste Glas mit einem Knacken öffnet. Meine Mutter macht jeden Sommer Marmelade mit Erdbeeren aus eigener Ernte. Sie verwendet dafür nur die Sorte Mieze Schindler. Und sonst nichts! Kein Ingwer-Ich-misch-mal-irgendwelche-Früchte-die-nicht-zusammen-passen-Gedöns, das ich dann meinen Nachbarn schenke. Einfach nur Erdbeere. Letzte Woche ging ich dann in die Speisekammer, um ein neues Glas zu holen. Seitdem ich keine Nutella mehr esse – ich schwöre, ich habe das Glas noch nicht angerührt! – ist mein Marmeladen-Konsum natürlich gestiegen. Zwei Gläser habe ich schon vernichtet. Jetzt sollte das dritte folgen. Aber, oh Schreck, unsere Vorräte sind aufgebraucht. Keine Mieze-Schindler-Marmelade mehr da! Ich muss mindestens bis Juni warten. Oh nein, was bleibt da noch an süßes Frühstücksfreuden? Richtig, nichts! Das Wochenendfrühstück wird immer kürzer…

Die Praline unter den Erdbeeren

Um über meinen Schmerz hinwegzukommen und die Vorfreude auf den Sommer zu steigern, möchte ich euch Mieze Schindler mal vorstellen. Denn Mieze ist nicht nur irgendeine Erdbeere. Gärtner nennen sie auch die Praline unter den Erdbeeren.

Prof. Dr. Otto Schindler hat diese Sorte im Jahr 1925 gezüchtet. Weil sie nur weibliche Blüten hat und weil Herr Schindler ein alter Charmeur war, benannte sie nach seiner Frau: Sie hieß Emilie. Oder kurz: Mieze.

Mieze ist eine Zicke

Dabei war die Süße lange in Vergessenheit geraten: Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in Westdeutschland auch beim Obst der Massenanbau. Gefragt waren jetzt große Sorten. Und zu denen gehört Mieze nicht gerade. Zudem ist sie ziemlich zickig. Sie reift eher spät und hat ein sehr weiches Fleisch. Wer sie transportieren oder lagern will, hat deshalb schnell nichts mehr von ihr – außer Matsch natürlich. Das alles führte dazu, dass sie bald niemand mehr beachtete. Sie überlebte nur in Ostdeutschland, wo niemand an die teuren Sorten und Neuzüchtungen aus dem Westen rankam.

Ostdeutsche Edel-Erdbeere feiert ihren Siegeszug

Und siehe da: Heute lässt sie alle üblichen, auf Fruchtgröße gezüchteten neuen Sorten weit hinter sich – geschmacklich kann ihr keine mehr das Wasser reichen. Sie eignet sich besonders gut zum Einkochen. Marmelade aus Mieze Schindler sieht zwar im Glas nicht so schön aus ­– eher matschig orange-braun als leuchtend rot –, doch der süße, walderdbeerige Geschmack ist unvergleichlich.

Nach der Wende feierte sie deshalb in ganz Deutschland einen Siegeszug. Nicht nur für Äpfel sondern auch bei den Erdbeeren gilt also im Moment: Alte Sorten sind wieder im Kommen. Hoffentlich lässt sich Mieze in diesem Jahr nicht allzu viel Zeit.

Mieze gedeiht übrigens auch im Balkon-Kasten. Bei Manufactum (oh Wunder! :-D) könnt ihr sie bestellen: http://www.manufactum.de/mieze-schindler-p1404946/

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